"Alvin Lee & Ten Years After" 
Retrospectarticles through Retrospecticals
Chapter 14
page 14
page 14-1
1967-1970
page 14-2
1971-1972
page 14-3
1973
page 14-4
1974
page 14-5
1975
page 14-6
- 2002
 

Die TEN YEARS AFTER Story

    

„Even Speedfingers have the Blues!“ 

 „Auch Flinkfinger haben mal den Blues!“

von Uli Twelker

Hatten die Woodstock-Hippies auch zu Ten Years After “I’m Going Home” –Speedboogie die Heads bekifft gebangt, der Progressive-Generation musste ein Typ wie der Sänger, Gitarrist, Harmonikaspieler und Komponist Alvin Lee dennoch suspekt sein! Alvin schien sich nichts einzupfeifen, brach auf der Bühne niemals zusammen, erschien pünktlich zu jedem Gig der oft monatelangen US Trecks, und hatte auch keine Philosophie zur Rettung der Menschheit anzubieten. Stattdessen bediente Al seine Gibson ES-335 so provokant schnell, dass ihm die Kritiker nur noch prophylaktisch Oberflächlichkeit und Egozentrik vorwerfen konnten. Wie zur Bestätigung der Kritik liess Lee seinen Tastenkünstler Chick Churchill später selten richtig zur Geltung kommen, obwohl der doch, wenn mal im Soundbild zu identifizieren, ausgeschlafene Jazzlicks vorzuweisen hatte! Geltung verschafften sich dagegen die Boys der Rhythmusmannschaft: Ric Lee schlug überzeugend die Brücke zwischen swingender Drumschule und Bluesrock-Solidität, und Leo Lyons prügelte seine Läufe derart schwindelerregend aus dem Brett, dass weniger zart Besaitete bei einer so hart besaiteten Bassgitarre Handschuhe hätten tragen müssen. 

 

"Help Me Babe"  -  Big Bill Broonzy im elterlichen Wohnzimmer!  

Angefangen hatte alles in Robin Hoods Heimatstadt Nottingham, in welcher Little Alvin Lee am 19. Dezember 1944 unter seinem bürgerlichen Namen Graham Barnes zur Welt kam. Mummy und Daddy führten ( Alvie) alias Graham früh an die Klarinette heran, der Sohn aber warf sie 1956 weit fort, als der amerikanische GI-Sender AFN (Armed Forces Network) und Radio Luxembourg  ihm wie vielen anderen Boys die Blues und Rock n Roll Sounds von der West-Seite des Atlantik vorspielten. Stimmt, insofern unterschied sich Nottingham kein bisschen von Hannover (siehe Steppenwolf Story!) Doch Graham (Alvin) Barnes Eltern besassen im Gegensatz zu Mutter Krauledat eine Riesen Jazz und Blues Schellack-und Vinyl-Kollektion, die generationsübergreifend genutzt wurde, während viele germanische Papis von (Negermusik) sprachen. Ausserdem gehörte die Barnes Familie selbst zur Szene: Mum, Dad und Big Sister traten als Country-Folk-Combo auf und brachten sogar mal den leibhaftigen Big Bill Broonzy von einem gemeinsamen Club-Gig mit nach Hause, Das war Ende der Fifties so, als hatten Eure Eltern anno 1967 Jimi Hendrix ins Wohnzimmer geschleppt!

Blitzschnell war mittels einer Guitone-E-Gitarre ein versierter  Gitarrist aus Graham-Alvin geworden, der Erfahrungen in Top 40 Bands wie Vince Marshal und The Square Caps und Alan Upton und The Jailbreakers sammelte und Blues Heaven!-- sogar einmal besagten sporadisch eingeflogenen Big Bill Broonzy begleiten durfte!

1960 traf Alvin auf seinen bald langjährigen Partner, den Bassisten Leo Lyons, der am 30, November 1943 in Standbridge in der Grafschaft Bedfordshire geboren wurde und seit seinem neunten Lebensjahr  ein Banjoman war. Beide waren erst sechzehn Jahre alt, als sie mit einer Woche Abstand zu den Atomites stiessen . Weder Graham-Alvin noch Leo hatten damals Zutrauen in ihre Stimmen, also annoncierte man nach einem Leadsänger. Es meldete sich Ivan Jay, fortan firmierten die Atomites unter Ivan Jay und The Jaymen. 

"Don’t Want You Woman" - Alvin und Leo als Jaybirds auf der Reeperbahn 

Aus The Jaymen wurden ab 1962, The Jaycats und dann The Jaybirds, Hauptsache Jay! Im gleichen Jahr erspielten sich die Boys so etwas wie einen ersten Durchbruch:

Die Band war das Szenegespräch, und prompt wandelte man auf den Pfaden der Beatles- sechs Wochen im Hamburgs Star Club lautete das Angebot des als Talentscout doubelnden Star-Club-Sängers Roy Young. Schon bald sahen sie sich auf ihrem Hamburg-Trip als Profis, allerdings mit zwei harten Verlusten: Dem heute in San Diego lebenden Sänger Ivan Jay und Drummer Pete Evans alias Texas John Redman war Reeperbahn mit ihrer Acht-Stunden Gig- Tretmühle hart. Alvin Lee und Leo Lyons nahmen also die Fähre, schnappten sich zu Hause den Trommler  Dave Quickmire, und Alvin Lee selbst übernahm die Lead  Vocals. Die St. Pauli-Szene hatte sie bald wieder. Jedenfalls nachdem Aldas Angebot Joe (Telstar) Meeks, den Outlaws beizutreten, begeistert angenommen und dann zugunsten Hamburgs im letzten Moment wieder abgelehnt hatte.

Meek hätte sogar das Jaybird-Trio akzeptiert und liess sie sogar Shadows-artige Demos einspielen, aber der Lockruf der Reeperbahn war stärker! Und in der Hansestadt gefiel es den Briten ebenso sehr wie den Fans ihr Jaybirds-Rock n Roll, und das Milieu sowie die relativ hohen Gagen brachten Lee zu immer ekstatischerem Gitarrenspiel, was leider in den vier Jahren ihrer Existenz nie durch Aufnahmen dokumentiert wurde.

Alvin: (In Hamburg brachten wir frühe Elvis-Nummern, Little Richard, Eddie Cochran, also den urwüchsigen R & B, den damals alle draufhatten. Das war, während dort Acts wie Tony Bennett und Tony Sheridan spielten.) Statt Platten brachte Leo Lyons Charles Bronson Schnäuzer nebenbei  wenigstens Komparsen-Rollen in ein paar Germano- Western! Die Hamburg-Periode, laut Lee ein (unglaublich intensives Lernerlebnis), verarbeitete der Over-Jaybird in seinem Song „Little Boy“ auf der LP „Let It Rock“.

   

 „Hear Me Calling“ -  Der Lockruf  der Metropole London    

Nach Hamburg schien es kein Zurück mehr in den Sherwood Forrest zu geben. Die Band drängte es zurück nach London! Aber ein Mangel an regelmässigen Gigs liess die Band fast verhungern, und man kehrte desillusioniert in Robin Hoods Nottingham zurück. Dort überredeten Alvin und Leo im August 1965 Ric Lee, ihren Schlagzeuger Dave Quickmire im Trio abzulösen. Ric Lee wurde am 20. Oktober 1945 in Cannock in der Grafschaft Staffordshire geboren und ist mit Alvin weder verwandt noch verschwägert. Vor den Jaybirds trommelte Ric beiden Mansfields, einer Formation, die aus Ricky Storm und The Storm Cats hervorgegangen war. Nach über einem Jahr der sprichwörtlichen Ochsentour durch die Miniclubs und Pubs Nordenglands und der East Midlands wagten die drei 1966 zum zweiten Mal den Weg ins geblobte Land, das Rock-Mekka London. Aber mit Bluesrock war zunächst wieder kein Geld zu erjagen, also verdiente die Lee-Lyons-Truppe ihre Miete durch die routinierte Einspielung von Schlager-Demos für den Southern Music Verlag. 

Plötzlich wurde ihnen die Teilnahme an einer West End Musical-Produktion angeboten! In (Saturday Night und Sunday Morning) von Alan Silitoe spielten die Jaybirds eine (band scene). Nach den sechs Wochen Spielzeit gab es laut Leo Lyons zwei Alternativen: (Zurück nach Nottingham oder irgendwo als Backing Band anzuheuern. ( Bald gab es einen Begleitbedarf bei dem Beat / Surf- Duo The Ivy League. Was der Jaybird-Band fehlte, war ein professionelles Management. Im November wandten sie sich erfolgreich an Chris Wright von der ‚Chrysalis’-Agentur (das Label war noch nicht geplant). Alvin, Leo und Ric nahmen daraufhin den Roadmanager der Ivy League, Chick Churchill, geboren am 2. Januar 1949 im Waliser Städtchen Mold, an Piano und Hammond-Orgel dazu, rechtzeitig zu ihrer ersten Gigserie im Sohoer ‚Marquee Club’. Diese Bandformation brauchte einen weniger (beatigen) Namen. Man gab nur die Live-Debuts in Soho als The Blues Yard, nach anderen Quellen The Blues Trip-einmal pro Woche im Vorprogramm der Bonzo Dog Doo Dah Band-taufte sich dann aber Ten Years After, weil “zehn Jahre nach’’ dem Durchbruch von Alvins Idol Elvis Presley loslegten! Wenn Leo nur nicht immer behaupten würde, er habe lediglich die Zeitungszeile (10 years after the Russian Revolution) gesehen.... 

Die ‚Marquee’-Auftritte wurden schnell zur Legende-und waren sämtlich ausverkauft: Alle wollten Alvin Lees Fingersätze  und Läufe auf seiner roten Gibson ES 335 mit dern Micky Maus-Hals sehen, ausserdem die berserkerhaften und doch swingenden Bassläufe Lyons’, Ric Lees Jazz-Blues Drums Fusion und Churchills willkommen abwechslungsreiche Jimmy Smith Melodielinien bestaunen. Da konnte Chris Wright Ten Years After inzwischen leicht an ‚Deram’ leasen, das Progressiv-Label der alten Tante Decca, das Mutterlabel, das Ten Years After noch drei Monate zuvor in schnöder Beatles-Manier abgelehnt hatte.

Hatten die denn aus der ‚62er Zurückweisung der Fab Four gar nichts gelernt? Die erste Single der Truppe, heute eine gesuchte Rarität, zeigt einen Soundtransfer. Zeigte „Portable People’ noch Psychedelic mit Hollies-Harmonies, so wartete „The Sounds“ bereits mit Blues und einer Prise Hendrix auf.


 


From Brigitte's personal collection

“Adventures of a Young Organ” 

Das transparent-ungekünstelte “Ten Years After” –Album jedenfalls, im Sommer 1967 vom Blues-Spezialisten Mike Vernon (Fleetwood Mac, Chicken Shack) aufgenommen, präsentierte im Oktober bereits alle Vorzüge der Band: Beschwingte Boogie Nummern, Slow Blues wie das neunminutige  „Help Me“, oder Barrelhouse, alles kam so intensiv wie achselzuckend daher. Alvin und seine Läufe beeindruckten in ihrer selbstverständlichen und sensiblen Virtuosität, Chicks Orgel-Solo in „Don’t Want You Woman“ zeigt Referenzklasse, hatte er derzeit doch überhaupt gleiche Rechte wie der Boss! Die vier so stillen wie energiegeladenen Musiker schienen durch den Misserfolg ihres Album Debuts kaum irritiert. Wann auch, denn ihr Gig-Pensum hätte ihnen kaum Zeit zum Grübeln gelassen.-Bis zum Jahre 1974 sollte die Band im Schnitt lediglich zwei Wochen pro Jahr nicht „on the road“ sein! 

Das ahnten wohl die ‚68er Ten Years After: Was lag näher, als bereits den zweiten LP- Wurf live zu produzieren? So geschah es am 16. August 1968 im „Klooks Kleek Club“ des Railway Hotels in Hampstead, praktischerweise gleich bei Decca Records gegenüber. Hier hatten auch bereits die Graham Bond Organization und John Mayall’s Bluesbreakers legendäre Mitschnitte vorgenommen. Der bewährte Ten Years After Bühnenset  kochte bald auch auf Vinyl und schlug im September ein: Platz 26 im United Kingdom, immerhin Nummer 115 in den USA- bei einer Laufzeit von 14 Wochen! Tourneen folgten bald durch Skandinavien, Osteuropa, und Frankreich; dort hatte man die ekstatische Schlussnummer „I’m Going Home“

als Single ausgekoppelt-eine Sensation angesichts von drei Monaten auf der No. 1-Position. Und einem halben Jahr in den Charts. Dabei hatte sich die Band, ähnlich wie kurze Zeit später Led Zeppelin, eigentlich ganz auf Alben und Tourneen verlassen, statt mit Teeniebopper-verdächtigen 45ern zu jonglieren. 

 

“50.000 Miles Beneath My Brain”  -   Die legendär langen Staaten Trips     

Die sagenumwobenen, oft vier Monate dauernden Mammut-Tourneen führten Ten Years After ab 1968 mehr und mehr durch die unendlichen Vereinigten Staaten. Vom ‚Fillmore West’ in San Francisco über L.A. zum ‚Fillmore East’ im New Yorker East Village ging die siebenwöchige erste Staaten-Reise, immer unter den Fittichen ihres integren US-Promoters Bill Graham und in illustrer Gesellschaft, z.B. den Staple Singers, Janis Joplin, und auch Hemikonkurrenz wie Procol Harum, die mit Robin Trower einen weiteren Guitar Hero fuhren! Berührungsängste gab es nicht: Alvin von Jazzern ob seiner Gitarren –Leerläufe gehänselt, konnte in New Yorks ‚The Scene’-Club durchaus mit einer Koryphäe wie Larry Coryell mithalten!

Zurück in England, wurde vom 3.-15, September 1968 „Stonehenge“ aufgenommen. Im März 1969 erschien dieses zweite Ten Years After-Studioalbum, das Platz 61 in den USA errichte, in England aber nur knapp die Top Five verfehlte (No.6) Diesmal experimentierte das Quartett neben zusehends eigenem Songmaterial auch mit kleinen Einlagen mit Acid-Trip- gerechten elektronischen Studiosounds, laut Alvin dazu gedacht, die „visuelle und physische Komponente“ zu ersetzen.

 Höhepunkte waren der Train Shuffle „Speed Kills“ und „Going to Try“ mit genialen Tempi- und Stimmungswechseln! Die Briten hievten die LP auf die beachtliche Nummer 6, aber der sensationelle Durchbruch kam auf Sommer Open Airs; Beim

„Newport Jazz Festival“ in Rhode Island war ihre Performance ein beachtlicher Prestige-Gig, denn normalerweise sind dort nur Jazz Acts zugelassen.

 

“I’m Going Home” - Der Mühlstein von Woodstock 

Anlässlich des legendären „Woodstock“-Festivals gab es dann Medien-Unsterblichkeit dank 4000.000 Zuschauern und anschliessender Filmverwertung. Wieder war es „I’m Going Home“, das die Hippies weckte und junge Gitarristen auf den Plan rief. Aber der Abstieg, Alvin; „Wir hatten doch schon vor Woodstock grossen Erfolg, als wir in den Fillmores spielten und bei Boston Tea Party. Und ich mochte unser Image als Underground Band! Nach dem Woodstock-Film waren wir plötzlich eine Studiogruppe, und die Leute hörten nicht mehr zu. Wir wurden desillusioniert!“ Alvin hing der eigentlich Quo-haft schlichte 08 / 15- Boogie zum Hals heraus, und das Rest-Trio war wirklich nur noch wie das mechanische Uhrwerk des unendlichen „Chunka-Chunka“ mit den immer gleichen Überschall-Attacken und Läufen. Aber die Maschinerie rollte. Achtundzwanzig! US-Tourneen, bei denen Alvin laut eigenen Angaben manchmal weder Ort noch Datum ihrer Stops wusste wenn er sich auch sicherlich an die Gagenhöhe erinnerte!- wurden nach wie vor nur durch europäische Konzerte und LP Aufnahmen unterbrochen.

Ende 1969 erschien als perfekter Woodstock-Cash-In mit „Sssssssh“ der endgültige Albumdurchbruch. Top Five im heimischen England (No.4) und Top Twenty im US-Billboard (No.20) bedeuteten erste Liga! Die LP mit dem berühmten psychedelic  Coverphoto (Alvin in Dänen-Clogs!) vom Semi-Pro-Photographen und Woodstock-Teilnehmer Graham Nash präsentierte die Bluesrock-Standards „Good Morning Little Schoolgirl“ und „Woke Up This Morning“. Das Nachfolgewerk „Cricklewood Green“  (Frühjahr 1970) hielt sich in Grossbritannien 27 Wochen in den Charts und kam bis zur Nummer 4 (USA Platz 14). Das Album enthielt im Mai 1970 sogar wieder einen Single Hit „Love Like A Man“ (UK No. 10) Der entspannte, aber unvergessliche Simpel-Riff wurde zu einem braven Stück zum Üben für Schülerbands, das auf der Rückseite noch einmal live bei 33 Umdrehungen pro Minute geboten wurde. Für Jazz-Buff’s gab’s dagegen das swingende „Me And My Baby“!  Insgesamt fragten sich Fans der ersten Stunde angesichts einiger stereotyper Songmuster, ob die Alvin Lee Band bei 3-4 US-Trips jährlich die kreative Energie für ein neues Album alle 12 Monate aufbringen würde. 

 

 „Watt“ – Wattzahlen statt Virtuosität für eine „Travelling Jukebox“?

Live-Höhepunkt des Sommers 1970 wurde das Isle Of Wight Festival neben Family und Jimi Hendrix. Dann ein Anruf aus Manhattan: Ten Years After waren nach den Rolling Stones nun erst die zweite Rockband, die gebeten wurde, im New Yorker Madison Square Garden aufzutreten: Am 18. November war es soweit – vor 20.000 Fans triumphierten die Bluesrocker in dem ausverkauften legendären Auditorium! Zum Jahresausklang ´70 spielten Ten Years After bereits ihr viertes Studioalbum in zwei Jahren ein: "Watt" entwickelte sich aber wenig überraschend zu  einer wieder recht soliden, aber auch hastig wirkenden Routineleistung, verkaufte sich aber mehr als ansprechend (UK 5, US 21). Ein gar holprig hingeholztes „Sweet Little Sixteen“, ohnehin im Set jeder Barband, wirkte überflüssig, und noch dazu war der Chuck Berry-Titel von den Hollies bereits mit besserer Gitarrenarbeit gecovert worden! Ungerührt zog die Karawane weiter, auf die mittlerweile neunte (!)US-Tour in zweieinhalb Jahren.

Durch England waren TYA dagegen bereits 18 Monate lang nicht mehr getourt, sie holten dies Anfang 1971 nach. Auf dem „Watt“-Nachfolger „A Space In Time „zeigte die Band überzeugende Alternativen zur Bluesrock-Formel: Lee sang differenzierter als bei seinen nasal gepressten Shouter-Vehikeln und setzte für schöne Melodieeinfälle („Over The Hill“) akustische Gitarren ein, Chick Churchill steuerte Synthi-Experimente bei, und beide zogen kurz, aber inspiriert bei „Uncle Jam“ erneut alle Swing-Register! Die zart-eingängige Auskopplung "I'd Love To Change The World" wurde ein US-Top-40-Hit, während das Album ihr Popularitäts-Pendel endgültig über den Atlantik schlagen ließ. In den US-Billboard-Charts war ihr Platz 17 ein Signal für Platin und ihre erfolgreichste LP, im UK musste die Nummer 36 vergleichsweise enttäuschen. "A Space In Time" war Ten Years Afters Debut für das neu gegründete "Chrysalis"-Label ihres Agenten Chris Wright und des Jehtro Tull-Managers Terry Ellis, daher auch die Namens-Schöpfung Chris=CHRYS und Ellis= ALIS, also „Chrysalis Records. Für die USA pokerten Wright und Alvin Lee einen Kontrakt mit dem berüchtigten Popzaren Clive Davis bei Columbia/CBS aus.

Das geprellte TYA-Ex-Label Decca/Deram rächten sich mit der Compilation "Alvin Lee & Company", (US No. 55), das die Band mit dem brilliant aufgenommenen, stilkonsolidierenden "Rock'n'Roll Music To The World" beantwortete (US No. 43, UK No. 27). Die Status Quo parodierende Single "Choo Choo Mama" streifte gerade noch die US-Top 100. Im Sommer darauf bewies das Konzert-Doppel-Album "Recorded Live", mit Drum-Solo Folge 3, dass die Woodstock-Wunder noch professionell genug waren, die Tour-ermüdeten Saiten, Tasten und Felle nicht schleifen zu lassen: Vermächtnis und Stil-Definition des Blues-Rock, mit den Plätzen 36 und 39 in England und Amerika auch nicht schlecht gelaufen! Die Ten Years After-Karawane zog weiter durch die USA und bereiste im Mai zum zweiten Male Japan. Aber Alvin bat sich für die zweite Jahreshälfte Bandurlaub aus und spielte neben Peter Frampton, Rory Gallagher und dem nicht verwandten Albert Lee bei einem weiteren, legendären Namensvetter: Jerry Lee Lewis bat zu seinen "London Sessions".

 

„Over The Hill?“ – Werden Ten Years After müde?

Die inspirierten Sitzungen müssen Al davon überzeugt haben, dass Fast Fingers und Long Tours nicht alles im Musikleben sind. Noch im gleichen Jahre 1973 nahm Alvin in seinen eigenen „Space“-Studios ein country-betontes Album, „On The Road To Freedom“, mit dem  amerikanischen Gospelsänger Mylon Le Fèvre auf. Chick Churchill wollte mit „You And Me“ nicht nachstehen, einer entspannten Solo-LP mit Ric Lee und Leo Lyons von der Hausband, daneben Jethro Tull´s Martin Barre, Bernie Marsden, Cozy Powell und Procol Harum´s Matthew Fisher. Viele TYA-Fans haben diesen raren Ausflug sehr liebgewonnen!

Im Winter darauf folgte die live im Londoner Rainbow eingespielte „In Flight“ Doppel-LP unter dem Bandprovisorium „Alvin Lee & Co.“, einer souveränen Adaption des ungeliebten Decca-Absahn-Titels! „In Flight“ verwob unter Mitwirkung der Britfunk-Newcomer Kokomo Alvins Jerry-Lee-belebte Rock´n´Roll-Jugendlieben mit einer Prise Soul, wie in der Good Times Alvin Lee-Story ausführlich gewürdigt werden wird. Aber noch vor weiteren Gigs von Alvin Lee & Co(-Komo) nahmen die TYA-Boys, Profis, die sie waren, das vertraglich vereinbarte Abschiedsalbum „Positive Vibrations“ auf, und das Ergebnis lieferten sie erstaunlicherweise genau das: positive Vibrationen! Prompt folgte das sprichwörtlich unvermeidliche Angebot, bei dem ein Nein immer so sehr schwer fällt: 40 lukrative USA-Konzerte mit Ten Years After! Trotz einer offiziellen Trennungs-Meldung der Legende auf den Mai-Titelseiten vieler Rock Gazetten, allen voran „Melody Maker“ und „New Musical Express“ wurde diese angeblich letzte Mammuttournee während des Sommers 1975 absolviert – ihre achtzehnte.

Nach drei Solojahren war Alvin dann 1978 wieder mit dem (fast) alten Etikett "on the road", sein Power Trio taufte aus Mick Hawksworth (b) und dem begabten Muskel-Trommler Tom Compton taufte er verschämt Ten Years Later: „Das war das zehnte Jubiläum von Ten Years After.“ Auf dem soliden Debut "Rocket Fuel" (US * 115) bediente zusätzlich Mick Weaver (Fat Mattress) alias "Wynder K. Frog" die Keyboards.  Das Folgealbum "Ride On" (US * 158) halb live (knochenhart mit "Hey Joe und "I'm Going Home", Version 86) und einer einfallsreichen Studioseite (mit schönem Reggae-Versuch "Ride On Cowboy") promotete Lee auf zahlreichen Tourneen. Eher spannend als routiniert geriet dabei der TYL "Rockpalast"-Gig im deutschen WDR-Fernsehen. Lees Namensvetter Ric Lee hatte inzwischen mit Alvins Solobassisten Yndy Pyle zu Chicken Shack gefunden. 

 

„Waiting For The Judgement Day“ – Erstes TYA-Comeback nach acht Jahren

Eight Years After: Im Juni 1983 feierte der Londoner "Marquee Club", seinerzeit noch in der Wardour Street in Soho statt an der touristenträchtigen Tottenham Court Road, sein silbernes Jubiläum: Neben der Original Besetzung der Manfred Mann Band, John Mayall's Bluesbreakers mit Mick Taylor und drei Ur-Yardbirds stellte sich das Ten Years After-Quartett unverändert und vor allem mit absolut ungebremster Energie vor - geschäftstüchtig auf einem Video dokumentiert. Trotzdem: Nach ein paar großen Festival-Ereignissen ließ Big Alvin seine TYA wieder ruhen und verbrachte einen Teil der Achtziger so ruhig wie sein Hausnachbarn in Henley-on-Thames, einem beschaulichen Ort westlich von Greater London: Jon Lord, Joe & Vicki Brown mit Tochter Sam, George Harrison. Der Purple-Pianist, die Rock´n´Roll-Familie und der stille slidende Beatle boten sich denn auch als „Thames Valley Connection“ für Lees sporadische Solo-Alben an – Stoff für eine GOOD TIMES Solo-Story!

Aber neben lockeren Sessions und kleinen Tourneen ließ die Ten Years After-Legende ließ dem Speedfinger-Lee keine Ruhe: Als deutsche Promoter der Original Woodstock-Band 1988 vier große Festivals anboten, griffen die Boys nach kurzer Rücksprache zu. Doch als Alvin dann er bei seinen diversen treuen Open Air Fans die ausgerollten "Welcome Back"-Banner sah, entwickelte er konsequent einen Zwei-Jahres-Schlachtplan: ein neues Studio-Album - wie in alten Zeiten für Chrysalis Records, gefolgt von Tourneen durch die USA, Europa, England, Japan und Australien. In Memphis entstand Anfang 1989 in nur sechs Wochen das Studioalbum "About Time" und erreichte immerhin einen Achtungserfolg als Billboard-Plazierung auf No. 120. Fast live in den Ardent Studios eingespielt, gerieten die Tracks aber durch den Einfluss des ZZ TOP-Produzenten Terry Manning zu einer an die Rock Business-Komödie "Spinal Tap" erinnernde Persiflage der texanischen Langbärte. Der obligatorische Live-Tonträger folgte während der erfolgreichen World Tour, mit Ric Lee´s Konserven Drum-Solo Nummer 4. Doch `91 war wieder für sechs Jahre Schluss, denn die Band spielt immer nur, bis der Spaß aufhört.

 

„Victim of Circumstance“ – Die Zukunft einer Bandlegende

Und Ten Years After heute? Ab 1997 gab´s wieder eine Handvoll Open Airs, vor allem in Skaninavien, und spektakuläre Shows in Brasilien, ´98 „same procedure“ mit der Ankündigung eines großen Boxed Sets, und einem gigantischen Nostalgie-Ereignis: TYA bei „A Day At The Garden“, drei Tagen Musik in Bethel nahe des Original-Woodstock-Schauplatzes – der Coup ihres neuen Managers! Für 1999 sind nur einige Freiluft-Gigs fest geplant, zum Beispiel gab´s im Mai das Boogie Town Festival im belgischen Louvain-la-Neuwe. Überraschungen wird es dabei wohl kaum geben. Alvin, heutzutage mit seiner jungen Verlobten in Barcelona zu Hause, gibt sich entspannt beim Gedanken an die von ihm hängende Legende: „Die Leute können die Original-Mitglieder erleben wie 1969, wir versuchen nicht, modern zu werden!“

Wie oft TYA auch noch „in it for the money“ zusammenkommen mögen, eins ist sicher. Alvin ist erleichtert, dass sich die Band für den Taufnamen „Ten Years After“ entschied und nicht für die 1967 andiskutierte Alternative: LIFE WITHOUT MOTHER!

   

 


Discographie    TEN YEARS AFTER:  

Ten Years After                             (1967) Deram/Decca

Undead (Live)                               (1968) Deram/Decca

Stonedhenge                                  (1969) Deram/Decca

Ssssh                                             (1969) Deram/Decca

Cricklewood Green                       (1970) Deram/Decca

Watt                                              (1970) Deram/Decca

A Space In Time                            (1971) Chrysalis

Alvin Lee & Company                    (1972) Deram/Decca

Rock'n'Roll Music To The World   (1972) Chrysalis

Recorded Live                               (1973) Chrysalis

Positive Vibrations                         (1974) Chrysalis

About Time                                   (1989) Chrysalis

Live 1990 (Nottingham)                 (1990) Castle

 


TEN YEARS LATER:

Rocket Fuel                                   (1978) RSO/Polydor

Ride On                                         (1979) RSO/Polydor

 


ALVIN LEE BAND, Alvin Lee & Co./Solo-Alben):

On The Road To Freedom             (1973) Chrysalis (+Mylon LeFevre)

In Flight                                         (1974) Chrysalis (Alvin Lee & Co.)

One More Chance (Live 1975)      (1992) Oh Boy 1-9151

Pump Iron!                                     (1975) Chrysalis

Let It Rock                                     (1978) Chrysalis

Freefall                                           (1980) Avatar/Atlantic

RX 5                                              (1981) Avatar/Atlantic

Detroit Diesel                                 (1987) Bellaphon 

Zoom                                             (1992) Castle

Nineteen Eighty-Four                     (1993) Castle

Live In Vienna                                (1994) Castle/IHH Records  

 


Compilations von Ten Years After:

Portfolio                                        (1988) Chrysalis

The Collection                               (1990) Castle

The Essential Ten Years After         (1992) Chrysalis

Goin´ Home                                  (1995) Disky

Pure Blues                                     (1995) Chrysalis (A.L. & TYA)

Solid Rock                                    (1997) Chrysalis  (A.L. & TYA)

   


 

Videos: 

Ten Years After                              (1968) Wenders Productions

Woodstock                                     (1969) WEA

Goin' Home / Live at the Marquee   (1983) Castle Hendring  

Live Legends / Nottingham              (1990) Castle Music Pictures

Rockspective                                   (1993) Viceroy

Ten Years Later                               (1978) Rock Palace

 

 

INTRODUCTION:  

For anyone who has been a fan of Ten Years After over the years, wasn’t it always a thrill in our teenage years to read about our favorite band and cut out these articles and pin them to our walls?…And who didn’t have the give-away poster from Cricklewood Green posted in a prominent place in our rooms.  

Over the years most of us lost, wore out or threw away a lot of these now valuable and interesting relics of photos and articles. Brigitte still has all of her memorabilia, most of which has already found a home on our website. We now are in a position to proudly  announce that we’ve acquired even more great memorabilia to add to our ever growing archive.

This Summer we were offered the chance to purchase a vast collection of Alvin Lee / Ten Years After Memorabilia  from a private owner / collector, and this is what were proudly presenting on this new project.

We both decided to back-track / back date to search for more clues to the puzzle.

Our Retrospect-Articles starts from 1967 on to 1975 ‘In Flight’ and ‘Pump Iron’ and right through to 2002.

We have painstakingly gone over every article, corrected the typos, restored faded words and brought back to life these interesting works from near obscurity. Some paragraphs were almost indecipherable, but we managed to get them all together in a cohesive and comprehensible manner, with the help of a little modern technology. We have kept the integrity intact and made no changes in the content, everything you read was as written by the authors and journalist involved. But not all  perfect, we did choose to leave in some things that we know to be inaccurate or misspelled just so it didn't become to sanatized and  boring. 

May we respectfully suggest, that for the full effect of this project, you follow the text as laid out. In this way you’ll be able to witness for yourself the bands progression, while at the same time witnessing  Alvin Lee's changing attitude as it becomes readily apparent, that his goals concerning Ten Years After have reached a personal end-game. His desire to become a solo artist goes from being an ever present option, to finally becoming a workable reality.

We invite you to read what Alvin Lee had to say in this very rare collection of interviews, articles and reviews. Learn more about Alvin and Ten Years After’s  past than has ever been presented anywhere before. Get to know Alvin Lee from Alvin Lee himself, and discover Ten Years After from one of the most complete perspectives to date.    

This whole project is lovingly dedicated to Jan Jones.

Brigitte and Dave  

continue... 

page 14
page 14-1
1967-1970
page 14-2
1971-1972
page 14-3
1973
page 14-4
1974
page 14-5
1975
page 14-6
- 2002

back to AlvinLee.de MENU