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Von Brigitte
Gerstenberger
Es gibt einfach Bands, bei
denen die pure Nennung des Namens reicht, um die Fans in
kollektive Verzückung zu versetzen. Ten Years After gehören
dazu. Seit Jahrzehnten hält die Anhänglichkeit der
Uralt-Fans die Band am Leben und so kamen sie von nah und
fern angereist, um am Freitagabend im H2O die
Woodstock-Legende live zu erleben. Der Stil der Briten ist
einmalig und ihr Sound unverwechselbar. Das Aus der Band
erfolgte zwar schon 1975, doch von der Bildfläche
verschwunden war sie eigentlich nie. Für nostalgische
Auftritte fand die Gruppe immer wieder zusammen. 2004 gab es
die Reunion von TYA, freilich ohne den legendären
Gitarristen und Frontmann Alvin Lee, der durch den Jungspund
Joe Gooch ersetzt wurde. Leon Lyons, Bass, Chick Churchill,
Keyboards, und Ric Lee, Schlagzeug, sind jedoch
Bandmitglieder der ersten Stunde.Ein Hardcore-Fan von Ten
Years After, Jockel aus Gomadingen, hatte sich verfahren und
landete auf der Suche nach der Band zunächst in Winterbach.
Zu den letzten Hard-and-Heavy-Riffs der Vorband Golden Dawn
aus Göppingen hatte er es dann geschafft. So kam ihm die
Umbaupause gelegen, um sich von seiner Irrfahrt zu erholen.
Gelegenheit, zu fachsimpeln. „Ten Years After ohne Alvin
Lee? Ist das nicht etwa so wie die Stones ohne Mick Jagger
oder Led Zeppelin ohne Robert Plant?“ Mit dem ersten Song
des Abends „I‘m Coming On“, ein Titel aus dem
Watt-Album von 1971, war klar, dass Joe Gooch ein technisch
begnadeter Gitarrist und Sänger ist. Mit seinen 30 Jahren
fegt er beinahe so wieselflink übers Griffbrett wie einst
sein Vorgänger Lee, damals als „schnellster Rockgitarrist
aller Zeiten“ tituliert.Schnell ist der enthusiastisch
jubelnden, zuweilen Air-Gitarre spielenden und im Verlauf
des Abends immer häufiger headbangenden Ü50-Fangemeinde
klar, dass hier definitiv keine Rentnertruppe mit
Familiensprössling auf der Bühne steht. Äußerlich
gealtert, innerlich jedoch jung geblieben, steht die Band
gewaltig unter Strom. Klassiker wie „Hear Me Calling“
aus dem „Stonedhenge“-Hitalbum von 1968, „Can‘t Keep
From Crying, Sometime“ (Undead 1968) oder „Love Like a
Man“, Cricklewood Green-Album 1970, wurden kraftvoll
dampfend mit viel Spielfreude inszeniert. Offenbar hat sich
hier eine Legendenband neu erfunden, dank Gooch, der
freilich nicht ganz wie Lee klingt. Technisch zwar brillant,
fehlte ihm das letzte Quäntchen Imagination. Aber er
verstand es durchaus zu faszinieren, mit wunderbar flüssigen
Soli nebst eigenständigen Interpretationen und aufregenden
Instrumental-Duellen mit Keyboarder Chick Churchill.
Musikalischer Feuersturm
Mit ungeheuerem Feuersturm
fegte Leo Lyons über die Bass-Saiten und versprühte dabei
richtig gute Laune, ebenso wie der redselige Maestro an den
Drums, Rick Lee. Dessen perfekt vorgetragenes Schlagzeugsolo
„Hobbit“ durfte ebensowenig fehlen wie der ewig währende,
heiße Woodstock-Hit „I‘m Going Home“. Unter
frenetischem Applaus und bald vierzig Jahre nach Woodstock
hat Ten Years After erfolgreich und unverkrampft ihre Musik
aus den 60er Jahren ins noch junge dritte Jahrtausend hinübergerettet.
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